Interview mit Marc Hartog, British Journal of Photography

Marc Hartog, CEO British Journal of Photography

Marc Hartog, CEO des British Journal of Photography, und Vertriebsleiter Pax Zoega besuchten die Felix Schoeller Group in Osnabrück, um Ideen für die weitere Zusammenarbeit beim Felix Schoeller Photo Award auszutauschen. Seit Januar 2017 ist das British Journal of Photography ein sehr erfolgreicher Medienpartner und unterstützte mit seiner Kompetenz den diesjährigen Erfolg des Awards.

Nach einem inspirierenden Rundgang durch die Produktion für Spezialpapiere sprachen wir mit Marc Hartog über die Zukunft des Journals und den Stellenwert der Fotografie.

Das Comeback des Analogen.

Marc Hartog, CEO des British Journal of Photography im Interview

Das British Journal of Photography (BJP) ist das älteste Fotomagazin der Welt. Erzählen Sie uns von Ihren Plänen für die Zukunft des BJP.

BJP hat ein unglaubliches Erbe. Dazu zählt beispielsweise ein komplettes, physisches Archiv mit ledergebundenen Jahrgängen bis zurück ins Jahr 1854. Wir haben bereits ein umfangreiches Digitalisierungsprojekt angefangen und fast alle Seiten der gesamten Sammlung gescannt. Jedoch stockt das Projekt gerade, zum Teil wegen der Investitionen, die notwendig sind, um ein Frontend zum Durchsuchen des Archivs zu erstellen und zum Teil wegen der Unsicherheit bezüglich des Urheberrechts in Großbritannien – ob wir gesetzeswidrig handeln, wenn wir die originalen Druckseiten in einem digitalen Format veröffentlichen. Das Gesetz ist hier unklar, und es gibt keinen Präzedenzfall dafür in Großbritannien. Ich will dieses Projekt irgendwie umsetzen, weil ich glaube, dass der Inhalt unseres Archivs die Geschichte der Kunst und der Wissenschaft der Fotografie in einer Art dokumentiert, die von keiner anderen Zeitschrift erreicht wird, und das wäre ein wundervolles Geschenk an die ganze Welt.

Abgesehen davon arbeiten wir in den letzten Jahren, seit der Gründung von 1854.media hart daran, die Marke BJP noch stärker zu etablieren, indem wir einige wichtige Auszeichnungen und Wettbewerbe ins Leben gerufen haben, wie z.B. Portrait of Britain und unsere International Photography Awards. Wir haben auch wieder unsere jährliche Reihe der Interaktion mit Studenten gestartet, die Ausstellungsmöglichkeiten und eine Reihe kostenloser Vorträge für Studenten und Absolventen beinhaltet.

Was ist Ihre persönliche Meinung zur Rolle der Fotografie als  Kunstform heute und in naher Zukunft?

Die Bedeutung der Fotografie als ernstzunehmendes Kunstmedium wächst stetig. Immer mehr der Besucher strömen auf die zunehmende Anzahl von internationalen Fotomessen und -festivals. Das ist ein beeindruckender Beleg für die Beliebtheit der Fotografie als Kunstform.

Das BJP ist eine Plattform für aufstrebende und professionelle Fotografen gleichermaßen. Erzählen Sie uns bitte von der Wichtigkeit Ihrer Ausstellungen für diese Fotografen. 

Als Plattform ist eines der wichtigsten Dinge, die wir tun können, einem aufstrebenden Talent eine Stimme zu geben. Idealerweise würden wir gerne mehr in dieser Richtung tun, wir sind nur durch die Ressourcen limitiert. Aber dass Werke veröffentlicht oder ausgestellt werden, ist unerlässlich, um in der Welt der Fotografie Erfolg zu haben… Ich rede nicht von kommerziellem Erfolg, sondern von Erfolg in der Art, wie er für die meisten Fotografen weitaus wichtiger ist: Anerkennung der eigenen Arbeit durch Kollegen.

Welchen Einfluss haben die Ausstellungen auf die Besucher?

Einfach: Inspiration!

Wie ich erfahren habe, sind Sie ein Fan gedruckter Objekte. Wenn man sich all die Medienformen ansieht, welche Rolle spielt der Druck in dieser Medienmischung? 

Ich hoffe, BJP wird immer existieren, als die Visitenkarte dessen, was wir machen. Das Allerbeste, präsentiert in einem schönen Format, um eine haptische Erfahrung zu schaffen, die nur ein gut gemachter Druck bieten kann. Ich stelle mir für die Zukunft – vielleicht schon bald – vor, dass das BJP werbefrei und noch schöner mit einer breiteren Palette an Papieren und Oberflächen wirbt. Wir möchten, dass es als monatliches Fotobuch wahrgenommen und genossen wird, statt als Magazin. Dieses Fotobuch enthält dann das Neueste der gegenwärtigen Fotografie und hält die Leser über alles Wissenswerte auf dem Laufenden, was in der Welt der internationalen Fotografie los ist.

Welche Medien lesen die Leser morgen?

Das wird eine bunte Mischung sein. Immer mehr Menschen holen sich heute ihr tägliches Material und die Neuigkeiten aus dem Internet, aber ich glaube, dass die wachsende Zahl exzellent gestalteter, eigenständiger Zeitschriften zeigt: Es gibt immer noch eine Nachfrage für Druckmedien. Tatsächlich scheinen analoge Dinge ein Comeback zu erleben!